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Berichte

Gegen den Kapitalismus

Am Beginn des Weltsozialforums in Porto Alegre stand eine friedliche Demonstration der Kapitalismusgegner, gefolgt von einer lauten Feier

(von Toralf  Staud, Die Zeit)

Porto Alegre, 31. Januar 2002, 17:43 Uhr

In einem Punkt jedenfalls hat das Weltsozialforum bereits gewonnen: Es hat den griffigeren Slogan. "Eine andere Welt ist möglich", das klingt dann doch besser als das Motto "Führungsqualität in unsicheren Zeiten - eine Vision für eine gemeinsame Zukunft", unter dem sich in New York die wirtschaftliche und politische Elite der Welt versammelt. Wie die "andere Welt" von Porto Alegre aussehen könnte, darüber wollen in der südbrasilianischen Millionenstadt etwa 60.000 Menschen - davon gut 15.000 offizielle Delegierte von fast 5.000 Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt - sechs Tage lang diskutieren. Das Programm ist praktisch unüberschaubar. Mehr als hundert Seminare, 800 Workshops, dazu Vorträge, Konzerte, Ausstellungen - das Gesamtverzeichnis füllt 73 (!) Zeitungsseiten. Alles dreht sich um Alternativen zu und Strategien gegen die weitere Ausweitung des freien Welthandels, der neoliberalen Globalisierung. Auf eine gemeinsame Erklärung wolle man sich aber gar nicht einigen, sagte Maria Luisa Mendonça vom brasilianischen Organisationskommittee schon vor der Eröffnung. Stattdessen solle sich die Bewegung der Globalisierungskritiker "in all ihrer Vielfalt" präsentieren können.

Kurz vor der Demonstration, mit der das Weltsozialforum am Abend beginnen sollte, trafen sich die Delegierten der einzelnen Kontinente. Die Afrikaner, die im vergangenen Jahr beim ersten Forum fast überhaupt nicht vertreten waren, stritten sich erst einmal darüber, wer denn hier mit welcher Berechtigung für wen sprechen dürfe. So ging das eine halbe Stunde, bis einer von ihnen die Runde wütend zurechtwies: "Wir Afrikaner sind gut darin, das Unwichtige wichtig zu nehmen. Lasst uns nicht dieselben Fehler machen wie unsere Staatsmänner, die auch immer nur gegeneinander kämpfen. Lasst uns vorangehen!" Die Europär haben gleich bei ihrem ersten Treffen einen Beschluss gefasst: Ende dieses Jahres soll ein Europäisches Sozialforum stattfinden, in Barcelona, in Paris/St. Denis oder irgendwo in Italien. Italien stellt übrigens mit etwa 1000 Leuten die größte europäische Delegation und die zweitgrößte (nach Brasilien) überhaupt. Aus Ungarn dagegen kamen nur zwei Personen nach Porto Alegre und aus Tschechien niemand. Gewerkschafter und Kirchenvertreter, Menschenrechtler und Umweltschützer, Intellektuelle und Studenten tummeln sich nun also in Porto Alegre - der belgische Premierminister Guy Verhofstadt hingegen nicht. Als seine Staatskanzlei ihn als Delegierten zum Weltsozialforum anmelden wollte, bekam sie abschlägigen Bescheid. Senor Verhofstadt sei doch kein Vertreter einer Nichtregierungsorganisation. Als einfacher Zuhörer aber sei er gern willkommen. Da zog es Verhofstadt dann doch vor, nach New York zu fahren.

 

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