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Berichte

Wichtiger als Erdöl

Seit Jahren ist die Privatisierung der Wasserversorgung offizielle Politik von Weltbank und Internationalem Währungsfonds. Kein Wunder, dass auf dem Weltsozialforum kaum ein Einzelthema ähnlich präsent wie Wasser

(von Toralf Staud, Die Zeit)

Porto Alegre, 03. 02. 02, 12:40

Schon lange warnen die UN, in Zukunft würden Kriege nicht mehr um knappes Öl, sondern um knappes Wasser geführt; in Porto Alegre trifft man Menschen, die solche Kriege schon heute ausfechten. Sie kommen aus Bolivien und Argentinien, aus Ghana und Indien, aus den USA und Paraguay. Sie kämpfen gegen die Privatisierung der Wasserversorgung in ihren Ländern und Kommunen. Und sie erzählen Geschichten.

Die Wassergesellschaft der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal drehte nach der Privatisierung denen, die zu arm waren, ihre Rechnungen zu bezahlen, die Hähne zu. Als die Leute daraufhin verschmutztes Flusswasser tranken, brach eine Choleräpidemie aus, die 32 Menschenleben kostete.

In der argentinischen Provinz Tucuman stiegen die Wasserpreise nach der Privatisierung um 104 Prozent. Ein breit organisierter Zahlungsboykott erreichte, dass der Verkauf rückgängig gemacht wurde.

In Ghana zwangen Weltbank und Währungsfonds die Regierung, die Subventionierung der Wasserpreise aufzugeben und eine Privatisierung der Wasserversorgung vorzubereiten. Der Preis verdoppelte sich. Daraufhin schlossen sich unterschiedlichste gesellschaftliche Gruppen zu einer Nationalen Koalition gegen die Privatisierung von Wasser zusammen.

Im kanadischen Vancouver wurde im Sommer 2001 die Privatisierung der regionalen Wasserwerke von einer Organisation namens Water Watch gestoppt, einem breiten Bündnis aus Umweltgruppen, Gewerkschaften, sozialen Initiativen, Kirchen und Baürn.

In Cochabamba, der drittgrössten Stadt Boliviens, wurde im Frühjahr 2000 das städtischen Wasserunternehmen an den US-Konzern Bechtel verkauft. Auch hier stiegen die Preise drastisch. Auch hier formierte sich Widerstand. Es kam zu Massenprotesten, die Polizei antwortete mit Tränengas, Gummigeschossen und schliesslich scharfer Munition. Die Regierung verhängte den Ausnahezustand, Gewerkschafter und Gemeindesprecher wurden verhaftet und verbannt. Fünf Menschen starben nach Angaben von amnesty international bei diesem mehrwöchigen Krieg um Wasser.

Am Ende gewann die "Koordination zur Verteidigung des Wassers und des Lebens". Bechtel zog sich zurück. Die Wasserversorgung wurde von einer neün städtischen Gesellschaft übernommen, die die Preise wieder senkte und an deren Kontrolle jetzt auch Bürger beteiligt sind. "Vorher gab es eine Menge Korruption", sagt Gabriel Herbas Camacho, Vertreter der Wasserkämpfer von Cochabamba auf dem Weltsozialforum. "Jetzt arbeitet das Unternehmen transparent und die Versorgung besser als je zuvor."

Señor Camacho, vielleicht war Cochabamba nur das Negativbeispiel einer Privatisierung?

"Nein, das Problem sind Privatisierungen an sich."

Aber wenn der Staat kein Geld hat für Investitionen in die Wasserversorgung?

"Die Konzerne, die nach Bolivien kommen, bringen kein eigenes Geld mit. Sie investieren das, was sie von den Verbrauchern nehmen."

Warum sind private Unternehmen schlechter als öffentlich geführte?

"Sie wollen Profit machen. Und weil sie Profite machen wollen, heben sie die Preise an."

In einer Weltwassererklärung wollen Camacho und die anderen Delegierten in Porto Alegre nun die Unprivatisierbarkeit des Wassers festschreiben.

 

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