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Berichte

Das Volk von Porto Alegre (1): Nancy Kachingwe aus Simbabwe

"Mwelekeo" ist Kiswahili und bedeutet "Richtung". Und "Mwelekeo wa NGO", kurz MWENGO, ist der Name der Organisation, für die Nancy Kachingwe, 35, nach Porto Alegre gekommen ist

(von Toralf Staud, Die Zeit)

Porto Alegre, 2. Februar 2002, 15:07 Uhr

"NGO", das englische Kürzel für "Nichtregierungsorganisation", gibt es auch in Kiswahili. "Mwelekeo" bedeutet "Richtung". Und "Mwelekeo wa NGO", kurz MWENGO, ist der Name der Organisation aus Simbabwe, für die Nancy Kachingwe, 35, nach Porto Alegre gekommen ist. Sie ist zum ersten Mal bei einem Weltsozialforum, und sie ist begeistert. Zwei Sachen hat sie sich von der weiten Reise erhofft: "Ich wollte herausfinden, wie Bürgergruppen zum Beispiel in Südamerika arbeiten. Und ich wollte die Stimme der afrikanischen Zivilgesellschaft hörbar machen." Beides sei ihr, meint Kachingwe nach zwei Tagen in Porto Alegre, schon gelungen.

MWENGO entstand 1991 als Zusammenschluss von NGOs im südöstlichen Afrika. Die Organisation berät, unterstützt und vernetzt unterschiedlichste Basisgruppen der Region, Frauen-, Entwicklungs-, Umwelt- und Menschenrechtsinitiativen zum Beispiel. Zehn Leute arbeiten mittlerweile für MWENGO, das Geld kommt von verschiedenen Stiftungen und Organisationen, vor allem aus Holland und Deutschland.

Nancy Kachingwe ist seit sechs Jahren dabei. Sie wurde in Malawi geboren, hat Englisch und Französisch studiert, war ursprünglich Dolmetscherin und arbeitete 1994 für einige Monate in Brüssel. Bei MWENGO managt sie drei Programme, ihr wichtigstes ist die stärkere Beteiligung von Basisinitativen an Entwicklungshilfeprojekten der EU. "Bislang waren die Partner der europäischen Geldgeber vor allem die afrikanischen Regierungen", erklärt Kachingwe. Dadurch seien viele Projekte uneffektiv gewesen; das ändere sich regelmäßig, sobald die lokale Bevölkerung einbezogen wird. "Wir kommen langsam voran, aber stetig."

Auf dem riesigen Info-Basar von Porto Alegre präsentiert sich MWENGO am Stand des Afrikanischen Sozialforums, bei dem Nancy Kazingwe ebenfalls in führender Position beteiligt ist. Etliche Workshops und Seminare hat sie bereits besucht. Am Nachmittag hält Kazingwe selbst einen Vortrag zum Thema "Staat und Zivilgesellschaft in Afrika". Deshalb hat sie sich heute besonders elegant angezogen: Eng geschnittenes, langes weißes Kleid, große, glänzende Ohrringe, braun-gemustertes Kopftuch, schnittige Ray-Ban-Sonnenbrille.

Im April sind Wahlen in Zimbabwe. Präsident Robert Mugabe will seine Macht mit allen Mitteln erhalten. Seit Monaten schüchtert er die Opposition ein. Das größte Problem für MWENGO ist bisher, dass die ausländischen Geldgeber möglicherweise die Überweisungen in das instabile Land kürzen. "Aber auch mitten in einem Konflikt musst Du mit Deinem täglichen Leben irgendwie weitermachen", sagt Nancy Kachingwe. "Du musst essen, trinken, und die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, bleiben auch." Wichtiger als eine Unterstützung des Oppositionskandidaten Morgen Tsvangirai ist für sie der Aufbau der simbabwischen Zivilgesellschaft. "Selbst wenn die Regierung wechselt, wird sie nicht alle Probleme der Leute lösen. Langfristig wird es nur besser, wenn sie sich selbst helfen."

Internet-Link: www.mwengo.org
Internet-Link zum African Social Forum: www.enda.sn/english/forum2.htm

 

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