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Berichte

Nach dem Weltsozialforum in Porto Alegre: Wie die anderen Kontinente einbinden?

Walden Bello ist Leiter des südostasiatischen Forschungszentrums Focus on the Global South mit Sitz in Bangkok. Das Interview erschien zuerst in der während des Forums herausgegebenen Zeitung "Terraviva".

(Übersetzung von Angela Klein, Junge Welt)

Das zweite Weltsozialforum in Porto Alegre wurde vergangene Woche erfolgreich abgeschlossen. Etabliert es sich langsam als Bezugspunkt der weltweiten Antiglobalisierungsbewegung?

Nun, ich denke jedenfalls nicht, daß es den Versuch gäbe, einen Lenkungsausschuß der globalisierungskritischen Bewegung zu bilden, das wäre weit von den Absichten der Organisatoren entfernt. Es gibt eine Art minimale Koordination. Das ist ein offenes internationales Forum, die Leute können ohne allzu große Schwierigkeiten dazustoßen. Es ist ein sehr offener Prozeß. Einige werden sagen, das ist eine Schwäche. Ich denke eher, es ist eine Stärke.

Wie geht es weiter?

Im nächsten Jahr gibt es in Porto Alegre ein kleineres Treffen, und 2004 wird das Forum in Indien stattfinden. Es muß geprüft werden, ob wir auch in anderen Teilen der Welt erfolgreich sein können. Es gibt bestimmte Bedingungen hier in Porto Alegre, die für das WSF einzigartig sind: die Regierung der Arbeiter-Partei (PT) in der Stadt und im Bundesland. Das bedeutet Zugang zu viel personeller und finanzieller Unterstützung. Ist das auch in anderen Teilen der Welt gegeben, in Indien zum Beispiel? 70000 Menschen aus aller Welt zusammenzubringen ist eine große Aufgabe. Ich habe Vertrauen, daß das internationale Organisationskomitee die Sache sorgfältig studieren wird, bevor es seine Entscheidung fällt. 

Warum gibt es in Anbetracht der Rolle der brasilianischen PT bei der erfolgreichen Organisierung des WSF in der Bewegung eine Abneigung dagegen, politischen Parteien formal die Teilnahme zu erlauben?

Ich glaube, die Leute haben Sorge, daß sich der Schwerpunkt dann zu den Parteien verschiebt, während er bei der Zivilgesellschaft, den Massenbewegungen, den sozialen Bewegungen liegen sollte. Doch wenn das gegeben ist, gibt es kein Problem damit, daß ein bestimmter Typ an politischen Parteien am Forum teilnimmt. Ich glaube, Parteien wie die PT, die eine innovative Partei mit einer Massenbasis und einem nicht-doktrinären Ansatz ist, sind im Prozeß von Porto Alegre sicher willkommen. Ich persönlich habe kein Problem damit, daß politische Parteien Teil des Prozesses sind, solange der Schwerpunkt auf den sozialen Bewegungen liegt. 

Das WSF wurde als Gegenpart zum Weltwirtschaftsforum in Davos geschaffen. Was ist jetzt der Stand?

Ich glaube, das Weltwirtschaftsforum sind im Niedergang. Die Tatsache, daß sie einige unserer Losungen für eine nachhaltige Entwicklung übernehmen mußten und die Tatsache, daß sie sich alle Mühe geben, dem Kapitalismus ein menschenfreundliches Antlitz zu geben, zeigen, daß sie in der Krise sind. Der Enron-Skandal und der Zusammenbruch in Argentinien schaffen einen globalen Kontext, in dem Porto Alegre Fortschritte macht. Die Legitimitätskrise ist zurückgekehrt. Nach dem 11.September mögen sie etwas Boden gewonnen haben, aber die Skandale schaffen Bedingungen, daß wir die Nase wieder vorn haben können.

 

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