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BerichteErgebnisse der Sitzung des Internationalen Rates des Weltsozialforums am 22./23.01.2004 Bericht von Jürgen Reichel (EED, Mitglied des International Council des WSF)
Der International Council setzt sich aus ca. 80 Mitgliedern zusammen, die Organisationen, zumeist Netzwerke, vertreten. Der Council trifft sich etwa dreimal im Jahr und fällt einige Entscheidungen wie Ort und Termin des nächsten Forums, berät Charakter, Zielsetzungen und politische Agenda des WSF und wird über den Haushalt informiert. Eine klare Geschäftsordnung besteht bisher noch nicht. Der Council spricht nicht für das Forum, und darüber, was er außer Ort und Zeit der nächsten Treffen entscheiden kann, besteht Dissens. Vor allem einige Basisbewegungen lehnen kategorisch jegliche weitere Befugnisse des Councils ab. Die Liste ist mit der Entstehung des Forums zusammengestellt und seither nicht mehr verändert worden. Die Council-Sitzung am 22./23.01.04 hat eine a) Der b) „Es gab ein Forum auf der Straße und eines in den Seminaren es ist offengeblieben, wie die Erfahrungen der Straße und die der Seminar miteinander verbunden werden“, hat der Council selbstkritisch kommentiert. Die großen Konferenzen und redeorientierten Panel-Diskussionen, die überwiegend der Selbstdarstellung einiger „Promis“ und finanzkräftigerer NRO dienten, müßten überdacht werden. Sie spiegelten nur eine der Kulturen, die bürgerlich-diskursorientierte, wider. Die Organisatoren der Foren (Nationale Komitees!) neigten dazu, Aktion und Demonstration, Musik, Tanz, Theater und andere Formen der Artikulation weniger zu berücksichtigen. „The concensexpressed inside and outside the halls were the same but the expression outside was clearer.“ c) Die Konferenzen seien im übrigen ziemlich schlecht besucht gewesen, bis auf diejenigen, die von den Indern selbst vorbereitet waren. Die meisten Teilnehmer hätten die Orte gesucht, wo es die Gelegenheit zur persönlichen Teilnahme und zum d) Es sei wieder einmal nicht gelungen, Veranstalter mit ähnlichen Ziel- und Themensetzungen in der Planungsphase zusammen zu führen. Das Nationale Organisitionskomitee habe den Versuch aufgegeben, weil dem grundsätzlich heftiger Widerstand entgegengesetzt worden sei. Im Council gehen die Meinungen auseinander, wie stark die Organisationskomittees in die Planung eingreifen sollten. Basisbewegungen sind alarmiert, wenn der Eindruck entsteht, jemand könne die e) Das Jugendforum habe sich nicht wirklich entfalten können. Es sei schlecht ausgestattet gewesen; der Tagungsort war zu weit entfernt, um wechselseitige Besuche zu ermöglichen. Damit sei ein wesentliches Element von Porto Alegre verloren gegangen. Jugendvertreter beklagten in den Pausen, es seien viel zu wenig Mittel dagewesen, um die große Masse der Jugendlichen, die zum Forum kommen wollten, zu unterstützen. f) Zwar wird in der Strategie- und der Finanz-Kommission noch bis ins laufende Jahr an den Kriterien weitergearbeitet, von welchen Gebern das Forum Mittel akzeptieren will. Das indische Organisationskomittee ist aber mit seiner Entscheidung, aus „kriegsführenden Ländern“ (gemeint sind Regierungen und Stiftungen: Ford und Carter Foundation USA, britisches Entwicklungsministerium) keine Unterstützung anzunehmen, auf Verständnis gestoßen. Besonderen Beifall erhielt, dass auf dem Gelände galt: „We don´t need Pepsi Cola, we don´t need Coca Cola, we don´t need Mac Donalds“, sondern dass man ausschließlich auf lokale Versorger zurückgegriffen hat. Im übrigen hätten sich viele indische Besucher auch dieses Essen nicht leisten können und deshalb Verpflegung für fünf Tage von zuhause mitgenommen. g) Das WSF sei das größte Ereignis seit der Unabhängigkeit des Landes und seiner Teilung gewesen, an dem Pakistanis nach Indien eingereist seien (300 Delegierte; etwa die gleiche Anzahl habe kein Visum erhalten). Viele Pakistanis hätten geäußert, dass sie erwartet hätten, als Feinde behandelt zu werden. h) Das WSF IV Mumbai weist bei einem Gesamthaushalt von 2,9 Mio USD ein Defizit von 350.000.- USD auf, von denen etwa 50.000.- USD noch durch Einzelspenden gedeckt werden könnten. Es sei zwar gelungen, einige der bisherigen Geber zu größeren Beiträgen zu bewegen und einige neue Zuwender zu finden. Das Spektrum der Geber sei aber einseitig. Man habe darauf verzichtet, Standgebühren zu erheben und dafür einen Solidaritätsaufruf an alle, die die Räume benutzt haben, gestartet. Der Erfolg sei aber minimal gewesen. 1. Das nächste Weltsozialforum wird 2005 in Porto Alegre zeitgleich zum Weltwirtschaftsforum abgehalten. 2. Die nächste Sitzung des Councils 5.-7. April in Perugia / Italien soll weiter behandeln: a) die Rotation von Weltregionen als Gastgeber des WSF und b) den Wunsch vieler nach 2-jährigen Intervallen. Diese Themen sind ausgesprochen schwierig: a) Die wenigen afrikanischen Mitglieder des Councils sind nicht wild darauf, das WSF in ihren Kontinent zu holen: Repressive Regime und die Schwäche der sozialen Bewegungen im nördlichen wie im südlichen Afrika begünstigten so ein Vorhaben nicht eben. Es sind Befürchtungen geäußert worden, eine solche Zumutung könnte den ohnehin schwierigen Prozess für Afrika-Foren sprengen. Wenn man aber bedenke, dass ein solcher Beschluss womöglich erst 2007 zum Tragen kommt, sei vielleicht doch genügend Zeit zur Vorbereitung. b) Die größere Anzahl der Sprecher hat sich zwar für zweijährige Intervalle ausgesprochen, vor allem, um regionale und thematische Foren und das WSF besser aufeinander beziehen zu können. Der Einwand, dass das als Einknicken vor dem Weltwirtschaftsforum „die halten das gar nicht durch“ gesehen werden könnte, ist aber nicht ohne Eindruck geblieben. 3. Die Methodologiekommission möge bis zur nächsten Sitzung des IC im April in Perugia/Italien ein Konzept vorlegen, das es zum einen ermöglichen soll, dass Gruppen in der Vorbereitungsphase zu einer besseren Zusammenarbeit kommen. Zum anderen soll das Forum in Zukunft auch besser als Ort, an dem Vereinbarungen für weltweite Aktionen getroffen werden können, genutzt werden. Die Formulierung dieses 4. Die Finanzkommission soll einen Verhaltenskodex mit Kriterien für die Annahme von Mitteln erarbeiten. In der Diskussion hat es sich gezeigt, dass Definitionen ja gar nicht so einfach sind: Sollen Vorbehalte auch gegen Unternehmen und Stiftungen gelten? Bis ins wievielte Glied kann und soll man den Fluss von Staatsmitteln verfolgen? Was ist überhaupt ein Kriterium dafür, dass staatliche Mittel aus einem Land nicht angenommen werden können? 5. Die Finanzkommission möge ebeneso Kriterien für einen Solidaritätsfonds vorlegen, der die Teilnahme von Menschen aus „armen Ländern“ sowohl am Forum selbst als auch den den Council-Sitzungen erleichtern soll. Das ist eine alte Forderung. In der Praxis springt die Diskussion immer durcheinander. Viele Mitglieder des Councils wenn nicht alle haben Schwierigkeiten, ihre Reisekosten aufzubringen. Sobald man eine Ländergruppe ins 6. Die Erweiterungskommission soll Kriterien vorstellen, nach denen eine Erweiterung des Councils vorgenommen werden könne, nachdem zahlreiche Organsiationen seit 2001 auf der Warteliste stehen. 7. Die Kommissionen arbeiten in der bisherigen Zusammensetzung weiter: Erweiterung, Strategie, Inhalte, Methodologie, Kommunikation, Finanzen. Alle IC-Mitglieder müssen in einer der Kommissionen mitarbeiten. Die Kommissionen können Nicht-IC-Mitglieder kooptieren was mit Absicht eine Möglichkeit zur Mitarbeit für engagierte Gruppen eröffnet, ehe eine Erweiterungsrunde stattfindet.
24.01.2004 Jürgen Reichel (EED, Mitglied des International Council des WSF) |
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