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Berichte

Diskussionpapier der Strategie-Kommission des Internationalen Rates des WSF

Das Papier entstand beim Treffen des Internationalen Rates vom 29. Oktober bis 1. November 2007 in Belém / Brasilien und dient der Vorbereitung der Strategie-Debatte beim Treffen des Internationalen Rates vom 31. März bis 3. April 2008 in Abuja / Nigeria

Auf dem Treffen des Internationalen Organisationskomitees des WSF in Berlin (Deutschland) vom 29. bis 31 Mai 2007 wurde entschieden, dass das erste Treffen des Internationalen Rates (IR) 2008 in einem afrikanischen Land sein sollte und hauptsächlich der Debatte von „Strategien“ gewidmet sein sollte. Dieser Text ist ein unterstützendes Instrument für diese Debatte. Er versucht eine Zusammenfassung über die Themen zu organisieren, die in den Diskussionen die innerhalb des IR und der Strategiekommission erfolgten.

Wir sind noch am Beginn dieser Debatte und sind noch nicht an einem Zeitpunkt der Synthese angelangt. Es ist nicht beabsichtigt hiermit irgendeinen der Texte oder Artikel zu ersetzen, die bereits zu diesem Thema im Umlauf sind oder noch geschrieben werden. Im Gegenteil, wir glauben, dass mehr IR Mitglieder und Mitglieder der Organisationen, die am WSF teilnehmen, dieses Thema aufgreifen und zur Debatte beitragen sollten.

Die Liste der Themen, die wir hier vorschlagen, hat daher auch zum Ziel die Debatte zu fördern und wir hoffen Kommentare und Beiträge zur Bereicherung der Diskussion zu erhalten.

Die Geschichte des WSF wurde mit der Lancierung des Vorschlages in 2000 eingeleitet. Ihre Vorläufer sind mit Ereignissen verbunden, die während der 1990er erfolgten. Nach all dieser Zeit ist es offenkundig, dass bereits viel diskutiert wurde in Bezug auf Themen, die hier vorgeschlagen werden und es ist auch zutreffend, dass die Zahl der Themen unlängst zugenommen hat. Es sind diese Faktoren, die dazu geführt haben, dass der IR diese Debatte organisiert. Aus den Diskussionen, die bereits im Umlauf sind, konnten wir beispielsweise die folgenden Fragen und Themen entnehmen:

  • Befinden wir uns in einer anderen Weltlage als 2000/2001, oder in der gleichen? Welche Elemente des Bruches und der Kontinuität bestehen?

  • Was ist unsere Wahrnehmung der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten auf internationaler Ebene? Ist dies eine uni-polare Welt, dominiert vom US-Unilateralismus, oder haben auch andere Pole (China, Indien, Russland) eine Rolle auf der internationalen Ebene?

  • Die unterschiedlichen Krisen, die jetzt deutlicher werden - wie globaler Treibhauseffekt, Finanzkrise, Krise der Demokratien - haben eine neue Dimension: jetzt ist es weitaus deutlicher, dass es eine Krise der Zivilisation gibt, weil deren Funktionieren, die auf Produktivität (stark stimuliert durch den Kapitalismus, aber auch durch den Sozialismus des 20. Jahrhunderts) und auf der liberalen Ideologie beruht, bereits das planetare Leben auf eine globale und unumkehrbaren Art und Weise bedroht. Was werden die Rückwirkungen von all diesem auf unsere Debatten und unsere Aktionen sein?

  • Auf dem ersten WSF 2001, gab es eine starke Konzentration auf die Kritiken zur hegemonistischen, vorherrschenden Ideologie, die während der 1980er etabliert wurde. Was ist nach 7 Jahren unsere Einschätzung diese „Schlacht der Ideen“?

    Manche dieser Themen, die aus der Anti-Globalisierungsbewegung hervorkamen, wurden vom kapitalistischen Diskurs angeeignet und in neue Marktformen umgesetzt, die demselben Kapital dienen (das klassische Beispiel sind die vorgeschlagenen Kohlendioxid-Zertifikate, die das Umweltthema abhandeln). Ist eine zweite Generation der Kritik der vorherrschenden Meinung/Diskussion (die nicht dieselbe ist, wie die vor 7 Jahren) erforderlich?

  • Was ist mit der Anti-Globalisierungs-bewegung geschehen? Gibt es allgemeine Tendenzen? Für manche Leute scheint es, dass diese Bewegung sich in einer nach unten gerichteten Spirale befindet. Was sind die Verbindungen dieser Leute zu anderen Akteuren des politischen Lebens (politische Parteien, multilaterale Institutionen, Regierungen usw.)?

    War die Anti-Globalisierungsbewegung in der Lage, sich selbst als einen relevanten politischen Akteur in den verschiedenen Szenarien zu etablieren oder war sie nicht imstande, ihre Interventionskapazität im politischen Kampf zu entwickeln?

    Unter uns ist es heute weitgehend anerkannt, dass das WSF ein Prozess und ein Ereignis sein muss, selbst wenn es nur eine sehr geringe Systematisierung dieser Konzepte und ihre Verbindungen gibt.

  • Das WSF ist auch zum Gegenpol des Davoser Weltwirtschaftsforums geworden. dies wurde übersetzt in die Idee, ein WSF zum gleichen Zeitpunkt abzuhalten, auf eine Art und Weise, dass dieser Gegenpol noch viel deutlicher werde. Ist es wichtig sich weiterhin auf gemeinsame Weltveranstaltungen zu diesen Daten zu konzentrieren? Die Entwicklung einer Gegenposition zu Davos ist auch ein Argument zur Aufrechterhaltung der jährlichen Periodizität der zentralen Veranstaltungen: Ist es notwendig, eine zentrales Ereignis in jedem Jahr aufrechtzuerhalten oder ist es möglich, es alle 2-3 Jahre abzuhalten, wie manche Akteure vorschlugen?

    Manche Aktivisten bestätigen, dass es ein Ungleichgewicht gibt zwischen den erforderlichen Anstrengungen für die Durchführung von Veranstaltungen und der verbleibenden Energie, um andere Kämpfe zu organisieren. Wie viel ging drauf (an finanziellen Mitteln, Arbeitsstunden usw.) für die Mobilisierung hinsichtlich des WSF 2005 in Porto Alegre und wie viel für die Mobilisierung gegen die WTO (Welthandeltsorganisation) in Hong Kong? Ist das WSF, welches ein Instrument für soziale Bewegungen sein sollte, ein Selbstzweck geworden?
Fragen

WICHTIG. Unter der Namensgebung „Strategien“ schlagen wir vor, die folgenden Fragen zu diskutieren. Wenn es Vorschläge für neue Fragen gibt, bitte sendet sie ein, damit sie in die Liste aufgenommen werden können. Die Idee ist, dass jede Frage auf 2 Seiten beantwortet wird oder zusammengefasst auf bis zu 6 Seiten:
  • Geopolitik: globale, regionale oder lokale Lage oder Konjunktur: Aktuelle Situation und Veränderungen im Vergleich zum Beginn des WSF in 2000/1? Sind wir wirklich in eine neue Phase des Neoliberalismus eingetreten? Gab es Veränderungen im Zusammenspiel der Kräfte auf der internationalen Ebene? Was sind die Hauptgründe für diese Änderungen?
  • Organisation: welche spielten vor dem WSF ein Rolle, wie ist die Lage der sozialen Bewegungen, NGOs auf globaler / regionaler / nationaler Ebene, welche gegenwärtigen unterschiedlichen Ausdrucksformen der „Zivilgesellschaft“ gibt es auf globaler / regionaler / nationaler Ebene und was hat sich seit 2000/1 geändert?
  • WSF: welches Szenario gab es vor dem WSF, Entwicklung des WSF als ein Ereignis und Prozess, seine Ergebnisse und Schwierigkeiten?
  • Zukunft: die obigen Themen verbinden, Versuch der Formulierung politischer und organisatorischen Vorschläge für die Fortführung des WSF.
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Übersetzung: coorditrad/ Salz im Getriebe-Redaktion (attac Deutschland)


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